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Donnerstag, 20. August 2009

Der schreibende Körper

Ja, natürlich, Schreiben findet zuallererst und zuallermeist im Kopf statt. Findet dann, durch die Hand wandernd, zum Papier, oder, um weniger zu romantisieren: zum Word-Dokument. Zu denken, diese Körperteile wären die einzigen, die am Schreibprozess beteiligt oder von ihm betroffen sind, greift allerdings zu kurz...

Schriftsteller (wie John von Düffel, u.a.) sind meist hart trainierende Menschen, am Schreibtisch wie im Wasser, auf der Laufstrecke oder im Fitnessstudio. Der Ausgleich zu all dem, was im Kopf geschieht, wird überlebensnotwendig. Es scheint, eine gewisse körperliche Kondition wirke sich ebenfalls auf die Kondition beim Schreiben aus.
Es gibt aber eine Rückwirkung auf den Körper des Schreibenden, die sich weder durch eine vernünftige Sitzhaltung noch durch ausreichendes Training vorhersehen oder beeinflussen lässt, selten hört man davon, gelesen habe ich darüber noch so gut wie gar nichts.

Es ist die Wirkung der Geschichte auf den Körper selber. Je nachdem, was ich schreibe, an welcher Szene ich arbeite, kann sie mich körperlich völlig mitnehmen, auslaugen, aussaugen. Das hat nichts mit der Dauer der Schreibphase zu tun, sondern ganz konkret mit ihrem Inhalt. Einmal, ich be-schrieb den Zusammenbruch eines meiner Protagonisten - damit war auch die Hälfte des ersten Romans erreicht - bin auch ich daraufhin wie auf Kommando zusammengeklappt und erst nach zwei Tagen Fieber wieder aufgestanden.

Schreiben ist nicht nur Kopfarbeit, Schreiben ist körperliche Arbeit, im sehr wörtlichen Sinn. Heute vormittag habe ich eine Szene geschrieben, in der etwas fundamental schief läuft, und schon hat mich ein eigenartiges Gefühl beschlichen, es heute zu nichts vernünftigem mehr bringen zu können. Eventuell sollte ich etwas zu Mittag essen, ich bin mir aber noch nicht ganz sicher. Vielleicht sollte ich besser lesen. Heute früh habe ich ein großartiges Buch beendet, endlich: Die Liebe in den Zeiten der Cholera, von Gabriel García Márquez. Was der Mann während des Schreibens dieses Buches durchgestanden haben muss, möchte ich mir gar nicht vorstellen müssen.

Freitag, 7. August 2009

Synaptische Labyrinthe

Morgens erste Schreibversuche an einer möglichen Szene, sehr intensiv, bis weit nach Mittag. Dann hinaus in den Sonnenschein und in den Wind, der in Danzig immer weht, und das plötzliche Erstaunen darüber, an dem Ort zu sein, über den man schreibt. Als wenn man gar nicht richtig aus seinem Kopf heraus gekommen wäre, und sich aufgrund einer eigenartigen Fehlschaltung der Synapsen weiterhin in den Labyrinthen seines Gehirns bewegt.

Ich kann es kaum erwarten, am Wochenende einmal herauszukommen aus der Danziger Innenstadt: Wenigstens bis nach Oliwa soll es gehen, in den Park, oder ans Meer, ein bisschen Weite genießen. Eine Freundin hat mich in die Kaschubei eingeladen, ich bin sehr versucht. Auch das steht noch auf meiner Liste: Das Umland erkunden, in dem Danzig eingebettet liegt. Oft sagen Umgebungen mindestens genauso viel über die Stadt aus wie die Stadt selber.